Freitag, 12. Februar 2010

Die schwarze Kirche - Teil I

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Früher empfand ich erwartungsgemäß menschlich.
Glaubte in meinen (er)Regungen durch Frauen glücklich zu werden.
Heute reicht ihre verletzende Schönheit, die gleich einer
geschändeten Kirche ihre gotischen Pforten voller Kerzen weiß,
die eine blinde Seele vergaß, wo Tränen und Leid süß schmecken.

Die Abendsonne funkelte rötliche Liebespfeile
durch die gotisch - floralen Fensterdome,
deren Schattenmorellenfarben nackte Elfen und Seerosen in
verzückten Glasmalereien offenbarten.

Die Stuckfenster und Bögen verliehen dem kleinen Saal
etwas feierliches und der kleine Springbrunnen mit Rotwein
erwartete aus dem Munde einer Muse,
den erquikenden Kuss berauschender Sinne.

Der wahre Kirchenhort öffnete sein Paradies um Punkt mitternacht
und herein strömten Freunde, Gleichgesinnte, Künstler, Visionäre, Heiden,
Outsider und weiß der Teufel noch wer.

Mädchen mit schwarzen Lippen, milchreiner Haut und glühenden Augen,
lächelten ins blühende Blumenlicht dicker Kerzenstatuen.
Black Metal Klänge und Klaviereinlagen ließen die Hallen
akustische Nordwinde erzeugen.

Die Seitenschiffe der einst leerstehenden Kirche,
waren komplett zu Liebessälen umstrukturiert.
Blumen in allen Farben blühten einmalig unter den Tritten der Gäste,
welche in Marmorwannen, gefüllt mit Rosenwasser
sich vergnügen durften.

Die Bedienung trug Masken und durfte mit ihnen tun, was sie wollte,
solange es aus freiem Willen geschah.
Gelage umkränzte die schweren Kerzenhalter und von elbenverschlungenen
Schlussteinen, rankten aus Dornen gesponnene Rosenkranzleuchter hinab,
zu dem schüchtern erröteten Ambiente der Sprudel-Weihrauchbecken.

Wir hatten die Ordnung der Gebetsbänke zum Knien beibehalten
und man konnte mit samtenen Gehängen unter sich bleiben.
Das Hintergrundgeräusch leise kichernder und seufzender Stimmen
wirkte anregend, wie das leise Klingen der Kristallpokale oder das nasse
Lustgefühl sich begegnender, liebesdurstiger Leiber.

Aus den Wänden beugten sich verzückte Engel, die aus offenen Herzen
rötliche Wasserstrahlen bluteten, durchsetzt mit Blumenblüten...
Für hingebungsvolle Gäste, die nicht bloß an den Seitentischen
zusehen wollten, sondern sich in eines jener Muschelbecken
zurückziehen gedachten.

Das linke Seitenschiff umfasste zur einen Hälfte einen Tanzsaal mit
schwarzen Spiegeln und kleinen Alkoven, zum Kennenlernen,
mit Netzzugang zu der Privatbibliothek des Hauses,
wo auch Werke unter Vertrauenspasswörtern einsehbar wurden,
die einen zweifelhaften Ruf genossen.

Der vordere Bereich des Seitenschiffs barg Räume
für besinnliche Gemüter, im Muscheldesign,
bekleidet mit römischen Liegestühlen, umflossen von
schwimmenden Früchteinseln und Erfrischungen.

Die vierte Dimension des unteren Gewölbes,
welches über den Keller erreichbar war,
verschloss sich menschlichen Sinnen
und wir arbeiteten noch daran in den Tiefen, den Wesen
der ewigen Metamorphose alles zu bieten,
was ihre kosmische Genese beschleunigen mochte.

© j.w.waldeck 2009

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